Brief aus Tokio

plädoyer 02/2019 vom

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Mein Auslandsemester im Land der auf­gehenden Sonne an der Keio ­University in Tokio begann im ­vergangenen Herbst. Die Keio ­University ist eine der bedeutendsten ­Privatuniversitäten Japans. Der Empfang war sehr herzlich. Die Universität kümmert sich stets um uns Studenten. So wurde nie eine Möglichkeit ausgelassen, uns die ­japanische Kultur näherzubringen. 

Die von mir gewählten englischen Vorlesungen an der juristischen ­Fakultät befassen sich vornehmlich mit der Beziehung zwischen Japan und Europa. Ein wichtiges Thema dabei ist das Freihandels- und ­Investitionsschutzabkommen JEFTA. In der Vorlesung «Asian Law» lernen wir die Rechtssysteme südostasiatischer Länder – wie etwa ­Malaysia oder Indonesien – kennen. Was auffällt: An der Schweiz besteht grosses Interesse. Ein Land ohne ­Präsident oder Premierminister ­überrascht und begeistert gleichermassen.

Einer meiner Professoren war ­früher Richter. So können wir ­Studenten ihm konkrete Fragen zum Gerichtssystem stellen und erhielten die Möglichkeit, den Supreme Court, Japans höchstes Gericht, zu besuchen und einen Richter zu interviewen. 

In der Freizeit lernte ich nicht nur die Raffinessen der japanischen Küche kennen und schätzen, sondern bei einem Besuch einer Brauerei auch, wie man Sake herstellt. Einige Studenten wurden auch von einer Privatperson zu einer traditionellen Teezeremonie eingeladen – ein ­besonderes Erlebnis. Während meiner Zeit in Tokio fühle ich mich immer sehr willkommen. 

Dieses Willkommensein und die Herzlichkeit der Leute helfen, die zu Beginn vorhandene Verblüffung durch die ganz andere, uns fremde Kultur und Sprache schnell zu ­überwinden. Mit viel Freude lerne ich in einem Uni-Sprachkurs Japanisch. 

So schnell, wie sie begonnen hat, geht meine Zeit in der Welt von ­Wolkenkratzern und verrückten ­Themencafés leider bald zu Ende. Was unvergesslich bleibt, ist die ­Faszination für eine Stadt, in der Tradition und Moderne Hand in Hand gehen.

Lydia Valerie Brand, 24, studiert Rechtswissenschaften an der ­Universität Bern. Ihren Auslandsaufenthalt absolviert sie im Rahmen des Master-Studiums. 

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