“Die Behandlung von Carlos lässt sich nicht rechtfertigen”

plädoyer 05/2017 vom

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Carlos · Ex-Staatsanwalt Ulrich Weder untersuchte die Haftbedingungen des prominenten Gefangenen Carlos. Sein Bericht bestätigt die Vorwürfe des Verteidigers weitgehend. Trotzdem sieht Weder keine Verletzung von Verfassung und EMRK. Professoren sind anderer Meinung.

Carlos: Beim Prozess vor Bezirksgericht Zürich im März 2017 (Bild: KEYSTONE)

Carlos: Beim Prozess vor Bezirksgericht Zürich im März 2017 (Bild: KEYSTONE)

Die Vorwürfe des Zürcher Anwalts Marcel Bossonnet an die Adresse der Zürcher Justiz waren für die Schweiz einmalig: Sein Mandant – in der Öffentlichkeit unter dem Namen Carlos bekannt – sei vom 6. bis 26. Januar 2017 im Bezirksgefängnis Pfäffikon ZH unter menschenrechtswidrigen Umständen inhaftiert gewesen. Er sei in einer ungeheizten Zelle in Einzelhaft untergebracht worden, habe ohne Matratze auf dem kalten Boden schlafen müssen, tagelang ­sogar ohne Wolldecke. Bosonnet: «Das einzige Kleidungsstück von Carlos war ein Hemd, Unterwäsche hatte er keine. Teilweise wurde er nur mit Wasser und Brot verpflegt.» 

Weiter habe Carlos dauernd Fussfesseln tragen müssen, Hofgang sei ihm nicht erlaubt worden und er habe sich auch nicht duschen dürfen. Bosonnet: «Zudem hatte er keine Lektüre, keinen Radio und keinen Fernseher sowie kein Schreibmaterial.» Schliesslich seien Carlos auch keine Besuche der Eltern erlaubt worden und zwei Gesuche seines Anwalts um Besuche seien von der Gefängnisleitung abgewiesen ­worden. 

In der Zelle stets Fussfesseln getragen

Der Untersuchungsbericht von Ex-Staatsanwalt Ulrich Weder ­bestätigt die meisten dieser Vorwürfe: Mehrere Haftbedingungen, denen Carlos im Zeitraum vom 6. [...]

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