Eingesperrt: Buzurgmehr Yorov, Tadschikistan

plädoyer 06/2018 vom

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Der brutale Angriff auf Velotouristen im Juli 2018 brachte das zentralasiatische Land Tadschikistan für kurze Zeit in die Medien. Das autokratische Regime unter dem seit 1994 herrschenden Präsidenten ­Imomali Rachmon missbrauche auch diesen Fall für eine politische Kampagne gegen die oppositionelle, islamistische «Partei der Wiedergeburt» (IPRT), berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» Ende Oktober. Vom Missbrauch der Justiz zu politischen Zwecken ist seit über drei Jahren auch der Anwalt und ­Menschenrechtsverteidiger Buzurgmehr Yorov betroffen: Er ist seit über drei Jahren in Haft – genau seit September 2015. Eingesperrt ist er als Reaktion auf ­seine anwaltliche Tätigkeit. Ende Oktober 2018 ­richteten verschiedene Menschenrechtsorganisa­tionen und Anwaltsverbände eine Petition an die Uno-Arbeitsgruppe über willkürliche Verhaftungen.

Im September 2015 hatte Buzurgmehr Yorov die rechtliche Vertretung von 13 Mitgliedern der IPRT übernommen. Sie wurden in einem höchst zweifelhaften Verfahren beschuldigt, einen «Staatsstreich» angezettelt zu haben. In seiner Rolle als Anwalt brachte Buzurgmehr Yorov vor, dass seine Mandanten in der Haft gefoltert und misshandelt worden seien. Daraufhin wurde auch er verhaftet, acht ­Monate in Untersuchungs- und teilweise Isolationshaft gehalten, mehrfach geschlagen und misshandelt, um schliesslich zu 23 Jahren Haft wegen «Extremismus» und des «Schürens von Hass» verurteilt zu ­werden. In zwei weiteren Verfahren wurde er wegen der Verlesung eines persischen Gedichts im Gerichtssaal sowie der «Beleidigung des Präsidenten» ­verurteilt und sitzt seither in einem Hochsicherheitsgefängnis. Neben Buzurgmehr Yorov gerieten seit 2014 mindestens sechs weitere Anwälte ins Visier ­einer inzwischen völlig politisierten Justiz eines ­Landes, das sich in den letzten Jahren immer mehr zur Diktatur eines Langzeitherrschers entwickelte.

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