Eingesperrt: Khalil Ma’touq, Anwalt, Syrien

plädoyer 05/2014 vom

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Am 2. Oktober 2012 hat sich der syrische ­Menschenrechtsanwalt Khalil Ma’touq mit seinem Freund Mohammed Thatha auf den Weg zu seinem Büro aufgemacht. Die beiden Männer kamen dort nie an. Seither blieb jedes Lebenszeichen aus. Die Familienangehörigen von Ma’touq und Thatha glauben, dass die beiden Männer an einem der zahlreichen Kontrollpunkte der Regierung fest­genommen wurden. Sie befürchten, dass die beiden wegen des menschenrechtlichen Engagements von Ma’touq und einer Auslandsreise, die er für eine medizinische Behandlung unternommen hatte, zum Ziel der Behörden wurden.

Ma’touq setzte sich während seiner langjährigen Anwaltstätigkeit für Hunderte gewaltlose politische Gefangene ein. Er ist Vorsitzender des Syrischen Zentrums für Juristische Studien und Forschung sowie Autor zahlreicher Fachartikel. Unter anderem ver­öffentlichte er eine Studie über Unstimmigkeiten ­zwischen dem Römer Statut des Internationalen Strafgerichtshofes und dem syrischen Strafgesetz.

Die Familie und Rechtsbeistände von Ma’touq und Thatha baten die örtlichen Behörden wiederholt um Informationen. Letztes Jahr bestritt der Staatsanwalt auf Nachfrage einer Gruppe von Anwälten, dass sich Ma’touq überhaupt in Haft befinde, obwohl entlassene Häftlinge eines Gefängnisses in Damaskus ihn dort gesehen hatten. Dem Menschenrechtsanwalt drohen Misshandlungen und Folter. Im Mai 2014 ­riefen Amnesty International und 36 weitere Organisationen die syrischen Behörden auf, Ma’touq unverzüglich und bedingungslos freizulassen.

Ma’touqs Familie ist auch wegen seinem Gesundheitszustand in grosser Sorge. Er leidet an einer ­Lungenkrankheit und hat Atembeschwerden. Es ist unklar, ob Ma’touq die nötige medizinische Betreuung erhält.

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