Anum Siregar vertritt seit über zehn ­Jahren vor Gericht Opfer von Menschenrechtsverletzungen in der indonesischen Provinz Papua. Die Menschenrechtsanwältin und Leiterin der Organisation «Allianz für Demokratie in Papua» übt eine gefährliche Tätigkeit aus: Laut Berichten, die Amnesty International vorliegen, werden Menschenrechtsverteidiger in Papua regelmässig eingeschüchtert, schikaniert und bedroht. 

Am 16. September dieses Jahres erlebte Anum Sinegar solche Versuche am eigenen Leib. Es war gegen 23 Uhr, die Anwältin befand sich nach einer Anhörung in der Stadt Wamena auf dem Rückweg zu ihrem Hotel, als sie überfallen wurde. Der Angreifer war mit einem Messer bewaffnet, raubte ihre Hand­tasche und verletzte sie an der Hand. Anum Sinegar wurde daraufhin im Krankenhaus behandelt, die Sorge um ihre Sicherheit aber bleibt.

Die Anwältin vertrat in Wamena den Indigenen­sprecher Areki Wanimbo, der wegen des Vorwurfs auf Unterstützung separatistischer Tätigkeiten in Haft sitzt. Er war am 6. August festgenommen worden, nachdem er sich mit zwei Journalisten aus ­Frankreich getroffen hatte, die an einem Dokumentarfilm über die Separatistenbewegung in der Region Papua arbeiteten. Anum Siregar focht seine Inhaftierung an, da sie diese für rechtswidrig hält. Amnesty International betrachtet Areki Wanimbo als gewaltlosen politischen Gefangenen.
 
Nach Artikel 2 der Uno-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern ist jeder Staat dazu verpflichtet, Bedingungen zu schaffen, um die Menschenrechte im eigenen Hoheitsgebiet zu ­schützen. Dennoch erhält Amnesty International nach wie vor Berichte über Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger in Indonesien, die meist nicht aufgeklärt werden. Zu den Vorwürfen zählen Folter, Verschwindenlassen und aussergerichtliche Hinrichtungen. 

Aufgrund ihrer Tätigkeit werden gegen Menschenrechtsverteidiger häufig auch Verleumdungsklagen vorgebracht.