Das Buch des Frankfurter Hochschullehrers setzt bei der Logik des Strafrechts an. Es ­hinterfragt im Kern dessen ­Prämisse, staatliche Leidzu­fügung für den Beschuldigten als Reaktion auf seine Taten ­führe zu mehr Vernunft. Dabei zeigt der Autor auf, wie das Rechtssystem von einem Bild souveräner Subjekte ausgeht, was der realen Verletzlichkeit der Opfer wie der Täter nicht gerecht wird. 

Zabel verbindet klassische und moderne Strafrechtstheo­rien mit aktuellen Debatten zu Verletzlichkeit und Gerechtig­keit. Das Buch ist essayistisch verfasst und regt dazu an, über Reaktions­formen jenseits der kaum hinterfragten Straflogik nachzu­denken – ein wohltuender kritischer Kon­trast zu den kleinteiligen, tagespolitisch ­geprägten Strafrechtsdebatten.

Bewertung: Empfehlung für eine grundsätzliche ­Reflexion.

Benno Zabel
Kritik der strafenden Vernunft 
Mohr Siebeck, Tübingen 2025
552 Seiten, Fr. 52.–