Das Leben hier am College of Europe in Brügge scheint ganz dem Motto der EU zu folgen: «In Vielfalt geeint». Denn Studenten der Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften aus über 50 Nationen lernen und wohnen zusammen und widmen sich zehn Monate lang dem Studium Europas.  

Das College of Europe wurde 1949 von führenden europäischen Persönlichkeiten wie Winston Churchill, Salvador de Madariaga, Paul-Henri Spaak und Alcide De Gasperi gegründet. Es ist das älteste Post­graduierten-Institut für Europa­studien der Welt. 

Auch heute machen viele Persönlichkeiten aus Politik, Justiz und Wirtschaft Halt im pittoresken Brügge, eine Stunde von Brüssel entfernt.  

Das zweisprachige LL.M.-Studium mit Kursen auf Englisch und Französisch befasst sich mit der wirtschaft­lichen Integration (Binnenmarkt-, Wettbewerbs- und Beihilferecht), aber auch mit der sozialen Dimension des EU-Rechts (Grund- und Menschenrechtsschutz), in materieller wie verfahrensrechtlicher Hinsicht. Sie umfasst die auswärtigen Angelegenheiten der EU (Abkommen mit Drittstaaten sowie EU-Sanktionen). 

Das Studium bietet Pflichtmodule und interdisziplinäre Veranstaltungen, aber daneben auch genügend Raum, um sich zu vertiefen – in meinem Fall im Bereich des euro­päischen Datenschutzrechts, der Digitalisierung und der «künstlichen Intelligenz». 

Zu meinen persönlichen Highlights zählten der Besuch des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama und des britischen Ministers Nick Thomas-­Symonds. Daneben der Workshop mit Síofra O’Leary, der ehemaligen Präsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Ebenfalls sehr anregend waren das studentische Abendgespräch mit dem ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis und der Besuch der UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese.

Eine ganz besondere Bedeutung haben in Brügge die studentischen Verbände («Societies»), die das Leben hier am College über den Vorlesungssaal hinaus prägen und bereichern – mit kulturellen und kulinarischen Angeboten, sportlichen Aktivitäten, Filmvorführungen und Vorträgen. 

Europa ist mehr als ein Wirtschaftsraum – es ist ein Raum der Ideen. Das College ist der lebende Beweis, dass Europa als soziales Projekt funktionieren kann.