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20.06.2025
So turbulent, wie man sich eine 16-Millionen-Stadt vorstellt, so turbulent war auch mein Start in das Austauschsemester an der Bilgi Universitesi in Istanbul im Februar: Schneechaos und eisige Kälte, wie man es in Istanbul seit drei Jahren nicht mehr erlebt hat.
Der Papierkram für die Aufenthaltsgenehmigung stellte sich als ziemlich mühsam heraus – auch weil die Distanzen vom einen zum anderen Amt in einer Stadt wie Istanbul weit sein können und das Verkehrschaos gross ist.
Nebst der riesigen Stadt, die viel zu bieten hat, inklusive vieler kulinarischer Highlights, hat mich aber auch etwas anderes an Istanbul als Destination gereizt: Ich wollte wissen, wie es ist, in einem Land Vorlesungen zu menschenrechtlichen Themen zu besuchen, in dem Menschenrechte von der Regierung mit Füssen getreten werden und die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt wird.
Die Bilgi Universitesi ist eine private Uni, die einen eigenen Masterstudiengang zu Menschenrechten anbietet. Die Dozentinnen und Dozenten zeigen sich in den Vorlesungen einigermassen kritisch zur Rolle der Türkei im internationalen Kontext. Allerdings nicht mehr so kritisch wie früher, wie mir von anderen Studenten gesagt wurde.
Die Vorlesungen Human Rights Law, Public International Law und Information & Technology Law sind nicht allzu gut besucht. Das kann mit spärlichen Englischkenntnissen zusammenhängen, der fehlenden Präsenzpflicht – oder mit den schlechten Zukunftsperspektiven in diesem Gebiet. Verständlich, wenn ich an Anwälte denke, die nur auf der Anklagebank sassen, weil sie ihren Job erledigten.
Zweimal nahm ich als Beobachter an politischen Prozessen gegen Mitglieder der Anwaltskammer Çağdaş Hukukçular Derneği teil. Dabei wurde mir klar, dass die Repression weiter zunimmt gegen jene, die sich für die Unterdrückten einsetzen oder politisch nicht auf der Linie der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan sind. Und sie macht auch nicht Halt vor der Ausübung des Anwaltsberufs.


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