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20.06.2025
Hansjörg Seiler hat nach 17 Jahren als Bundesrichter in Luzern und Lausanne vorübergehend «zurück zu den Wurzeln» nach Bern gefunden. Hier am Verwaltungsgericht wirkte Seiler bereits vor mehr als 20 Jahren als Richter. «Ich helfe beim Gericht in einem kleinen Pensum und über ein paar Monate aus, den Pendenzenberg abzubauen», sagt er im Gespräch mit plädoyer.
«Es tut immer wieder gut, sich in die unteren Instanzen zu begeben. Hier sieht man viel klarer, wie widersprüchlich das Bundesgericht teilweise urteilt», sagt er lachend und fügt ernst hinzu: «Das Bundesgericht soll im Einklang mit den Gesetzen handeln und keine eigenen Vorgaben oder Entscheidungen treffen, die über die Festlegungen des Gesetzgebers hinausgehen.» Ein Richter habe nicht die Aufgabe, «gesetzgeberische Funktionen auszuüben oder politische Massstäbe zu setzen, die ausserhalb des bestehenden Rechtsrahmens liegen».
Seiler hat sich während seiner Teilpensionierung auch wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt und erst kürzlich das Buch «Gesetzgebungsstaat versus Richterstaat» publiziert.
Das sei seine Art, Kritik auszuüben, sagt er. Denn auch als pensionierter Richter möchte er seine Meinung nur zurückhaltend in der Öffentlichkeit äussern. «Richter sollten sich nicht wie Politiker gebärden – das halte ich für falsch. Es ist ungeschickt, macht angreifbar und untergräbt die Glaubwürdigkeit.»
Und so widmet sich der heute 70-Jährige seit seiner Pensionierung 2022 «auf kleiner Flamme» weiterhin dem Schreiben von Büchern. «Ich geniesse den Umstand, viel mehr Zeit und Musse zu haben, mich dem Reisen sowie dem Lesen hinzugeben und meine Enkelkinder zu hüten.» Zudem habe er heute mehr Zeit zum Segeln: am Thunersee, wo sein Boot liegt, oder am Mittelmeer.

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