Die Baselbieter Finanzrechtsexpertin Monika Roth weilt gerade auf einem Eisbrecher. Sie umrundet mit 200 weiteren Passagieren seit Mitte Februar während eines Monats von Hobart in Australien aus die Ostantarktis. Die Expedition endet in Kapstadt. Der Anruf von plädoyer auf die andere Seite der Welt klappt, das Satelliteninternet läuft bestens.

Die 75-jährige Baselbieterin strotzt am Telefon vor Energie. Die See sei wild, die Wellen seien etwa sieben Meter hoch. Roth ist hochsehtauglich: «Mir macht das nichts.» Sie freue sich auf die Natur und die Tierwelt. «Wir erkunden Gebiete, in denen noch nie jemand war.» 

Zeit für solche Abenteuer hat sie dank einer Reduktion ihres Arbeitspensums. Sie habe ihr Pensum in den letzten Jahren von 150 auf 50 Prozent heruntergefahren. Ende März tritt sie auch als Richterin am Strafgericht Basel-Landschaft zurück. ­Zusammen mit ihrem Mann wird sie in der Anwaltskanzlei in ­Binningen BL weiterhin Mandate betreuen. Auch ihre bissigen Kolumnen in den CH-Media-­Zeitungen wird sie weiterhin schreiben. 

Roth gilt nicht nur als kritische Beobachterin des schweizerischen Finanzplatzes. Sie nimmt auch ­internationale Gremien und die Schweizer Justiz in die Mangel, wenn sie zum Beispiel den Baselbieter Gerichtspräsidenten ein Führungsdefizit attestiert.

Roth kennt als ehemalige Konkursverwalterin, ­Richterin, Bankangestellte und Unternehmerin ­diverse Branchen von innen. Besonders «viel Herzblut» habe sie als Professorin an der Hochschule ­Luzern in den Aufbau eines Compliance-Lehrgangs gesteckt. Demnächst wird sie in einem juristischen Podcast-Projekt mitwirken.

Monika Roth schätzt es aber, mehr Freizeit als früher zu haben. Sie liest gern, im Moment die Biografie des fran­zösischen Kochs Alain Ducasse. Zusammen mit ­ihrem Mann bereist sie die Welt. Letztes Jahr ging es etwa nach Simbabwe, nun bereits zum zweiten Mal in die Antarktis.