Die Pensionierung Ruth Reussers dauerte vorerst nur gerade einen Monat. Nach 37 Jahren im Bundesamt für Justiz – deren stellvertretende Direktorin sie seit 1993 war – und nachdem sie im November 2007 in den Ruhestand getreten war, erhielt sie am Morgen des 24. Dezembers 2007 einen Anruf von Bundes­rätin Eveline Widmer-Schlumpf. Diese wollte sie für ein Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Generalsekretariat anstellen. Ruth Reusser sagte sofort zu.

Auch nach ihrer zweiten Pensionierung war Ruth Reusser weiterhin juristisch tätig. Sie hielt Vorträge über das neue Erwachsenenschutzrecht und schrieb im «Basler Kommentar» über dieses Themengebiet. Sie arbeitete auch am «St. Galler Kommentar» mit. Im Mai 2014 fährt Ruth Reusser nach Berlin, um einen Vortrag über das neue Erwachsenenschutzrecht zu halten. Gemeinsam mit Thomas Geiser und Heinz Hausheer möchte sie zudem den «Berner Kommentar» zum aktuellen Scheidungsrecht realisieren.

Neben der Rechtswissenschaft hat Ruth Reusser diverse andere Leidenschaften. Sie bezeichnet sich als «grosse Katzenliebhaberin». Daher brach es ihr das Herz, dass sie ihre Katze «Dineli» – die eine Pazifistin gewesen sei und nicht «gemaust» habe – 2011 wegen Krebs einschläfern lassen musste. Zudem reist Ruth Reusser gerne und macht Velotouren. Sie liest viel, besucht Konzerte und arbeitet im Garten. Zudem engagiert sie sich für andere Menschen. Ruth Reusser ist sich sicher: «Wenn ich einmal nicht mehr juristisch tätig bin, lege ich mir eine soziale Aufgabe zu.» Sie habe «ein bisschen eine Sozialarbeiterseele».

Für die Zukunft wünscht sie sich zwei Dinge: Zum einen neugierig zu bleiben, «da man noch nicht total alt ist, solange man neugierig ist». Zum anderen die «Weisheit des Alters», womit sie meint, dass man die Dinge gelassen nimmt und sich über gewisse rechtspolitische Entscheide nicht mehr aufregt.