Beschneidung als «Akt der Fürsorge»

plädoyer 6/12 vom | aktualisiert am

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Strafrecht · Die schweizerische Justiz qualifiziert die Beschneidung wehrloser Knaben nicht als Offizial-delikt. Diese Auffassung ist umstritten. Ebenso die Frage, ob Eltern berechtigt sind, in ­medizinisch nicht notwendige Eingriffe gültig einzuwilligen.

Wann ist eine Körperverletzung als leicht zu bezeichnen? Wo liegt die Grenze zu den qualifizierten Fällen der leichten Körperverletzung? Und bei welchen Merkmalen ist von einer schweren Körperverletzung auszugehen? Das sind Fragen, mit denen sich Jus-Studenten bereits in den ersten Semestern herumschlagen. Seit dem Urteil des Landgerichts Köln zur Beschneidung eines muslimischen Buben ist unter Strafrechtlern eine Diskussion aufgeflammt. Das Kölner Gericht hatte die rituelle Beschneidung eines minderjährigen Jungen als rechtswidrige Körperverletzung eingestuft.

Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ist anderer Meinung: Sie vertritt die Haltung, dass die Beschneidung eines Buben die Merkmale einer schweren Körperverletzung im Sinne von Artikel 122 StGB nicht erfüllt. Die Entfernung der Vorhaut sei nicht mit der Verstümmelung eines männlichen Gliedes gleichzusetzen, sagt Corinne Bouvard, Medienbeauftragte der Oberstaatsanwaltschaft. Man folge diesbezüglich dem Praxiskommentar von Stefan Trechsel. Dieser schreibt, eine schwere Körperverletzung setze voraus, dass «ein Glied oder Organ bei Verlust und bei dauernder Beeinträchtigung in der Funktion verstümmelt oder unbrauchbar gemacht» werde. [...]

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