Staatsanwälte: Nur ja keinen Prozess verlieren

plädoyer 02/2017 vom | aktualisiert am

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Japan · Strafverfahren enden in Japan praktisch stets mit einer Verurteilung. Denn die Staatsanwälte bringen nur Fälle vor Gericht, die sie sicher gewinnen. Auch erzwungene Geständnisse gibt es oft.

Gefängnis in Tokio: Verurteilungsrate von 99,9 Prozent (Bild: GETTY)

Gefängnis in Tokio: Verurteilungsrate von 99,9 Prozent (Bild: GETTY)

Im japanischen Fischerstädtchen Himi wurde 2002 der Taxifahrer Hiroshi Yanagi­hara wegen Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der 35-Jährige hatte im Polizeiverhör ein Geständnis unterschrieben. Später beteuerte er seine Unschuld, er hatte ein Alibi. Das Gericht jedoch stützte sich auf das falsche Geständnis und verurteilte ihn.

In Japan gilt ein Geständnis – ob wahr oder falsch – als «König der Beweismittel». Über 90 Prozent aller Straftaten, welche die Gerichte beurteilen, werden von den Angeklagten nicht bestritten. Das trägt zu Japans absurd hoher Verurteilungsrate von 99,9 Prozent bei. Kein anderes Land spricht Angeklagte seltener frei, nicht einmal China – auch die früheren Sowjet-Diktaturen nicht.

Vier Jahre später, Taxifahrer Yanagi­hara hatte seine Strafe bereits verbüsst, gestand ein Serienvergewaltiger die zwei Fälle, die dem Taxifahrer angelastet worden waren. In einer Neuverhandlung sprach das gleiche Bezirksgericht, das ihn verurteilt hatte, den Unschuldigen frei. [...]

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